
Preisträger 2010
»Unser Theater ist die Stadt« liest man auf den Werbematerialien des freien Theaterensembles »Kulturfiliale«. Und mitten im Gewimmel der Stadt wurde es noch einmal thematisiert: Das Schicksal des Mannes, der im Frühjahr 2008 auf einem Hochsitz im Solling verhungert aufgefunden worden war. »Da ist nichts leer, alles voll Gewimmels. Autopsie einer Auslöschung« übertitelte die Kulturfiliale ihre theatrale Dauerinstallation. Der Schauspieler Philippe Goos verbrachte dafür im Herbst 2009 sechs Tage auf einem Hochsitz in der Fußgängerzone Hannover. Er verkörperte einen zutiefst vom Leben Enttäuschten, von Familie und Staat verlassen, der als letzten Ausweg den Freitod wählt.
Die mutige Inszenierung bewegte die Menschen noch einmal auf besondere Weise. Realisiert wurde das Projekt mithilfe des schauspielhannover, der Stiftung Kulturregion Hannover und des Kulturbüros der Landeshauptstadt Hannover. Nun wird das Projekt retrospektiv mit dem Kulturpreis »pro visio« der Stiftung Kulturregion Hannover ausgezeichnet.
Die Jury aus Kultursachverständigen hob hervor, dass die letzten Tage eines am Leben Gescheiterten nicht nur aufgeführt, sondern auf bewegende Art und Weise für alle miterlebbar gemacht wurden. Das Projekt hat den Zeitgeist tief an der Wurzel getroffen.


