Der Kultursommer 2020

Trotz erschwerter Bedingungen fand das fröhliche Musikfestival vom 4. Juli bis 6. September an atmosphärischen Orten in der Region Hannover statt

»Kann der Kultursommer 2020 überhaupt stattfinden?« Diese Frage stellten sich die VeranstalterInnen vorab, beobachteten die Ansteckungsraten und taten sich nicht leicht mit der Entscheidung. Doch dann reifte der mutige Entschluss: Nach der langen Pandemie-Pause sollte es endlich wieder Konzerte geben. Es gelang: Rund 2.400 Besucher*innen kamen zu 30 Veranstaltungen in der Region Hannover und bewiesen: Kultur ist relevant! Kultur wird gebraucht!

Für viele war der Konzertbesuch die erste Veranstaltung nach dem Lockdown. »Jetzt wissen wir wieder, was uns in den letzten Monaten gefehlt hat«, so eine Besucherin des Eröffnungskonzerts. Mit gut überlegten Hygienekonzepten und Lösungen auch für die kleinen Spielstätten fühlten sich sowohl Veranstalter*innen wie auch Gäste auf der sicheren Seite.

Die Open-Air-Bühne im Amtsgarten des Schlosses Landestrost bot den meisten der Kultursommer-Konzerte einen besonderen Ort im Freien und den Musiker*innen ein schützendes Dach für empfindliche Instrumente und Technik. Veranstalter wie der Bauhof Hemmingen und der Orgelbauverein St. Martini Brelingen wichen an diesen neuen Konzertort aus. Das Publikum war im Windschutz des 250 Jahre alten Hainbuchen-Laubengangs platziert.

Gut betreut vom Team Kultur der Region Hannover und den Mitveranstalter*innen traten hier Gäste wie Lutz Krajenski & Markus Becker, Sedaa, Tinantin, Hans Schüttler und das Dadaätt, Lars Stoermer & The Groove, Desimo, Botticelli Baby, Juliano Rossi & Achim Kück auf. Auch für die Musiker*innen, von denen viele in der Region Hannover angesiedelt sind, waren die Auftritte im Kultursommer die ersten nach der langen Pause. So konnten die Veranstalter*innen ihrer wichtigen Funktion nachkommen, Kultur zu ermöglichen und zu fördern.

Neben der Kultursommer-Bühne im Amtsgarten öffneten auch andere Veranstaltungsorte in der Region anlässlich des Kultursommers wieder ihre Türen und Tore. So bot der Hermannshof in Völksen gleich zwei Open Air-Picknickkonzerte an: Bei Kaffee und Kuchen führte das Barockensemble Filum auf der Terrassen-Bühne Kaffeekantaten auf. Das zwölfköpfige Ensemble »Die große Enttäuschung« zog alle Register des Neuen Jazz und verblüffte die Zuschauer*innen mit einem vielstimmig-grellen Konzert ungeahnter Klangdimensionen.

Mit einem beseelten Lächeln verließen die BesucherInnen die kleine Eltzer Kirche, wo sie ein erstklassiges Konzert des international gefragten Klaviertrios Gaspard mit Stücken von Haydn, Beethoven und Winkelman erleben durften. Und auch das Abschlusskonzert des Kultursommers im Kurt-Hirschfeld-Forum Lehrte wurde mit begeistertem Beifall beschlossen. »NOURUZ« hieß das Programm des Ensembles Musica Alta Ripa, das es gemeinsam mit Komponist und Buzuq-Spieler Mevan Younes und Percussionist Hogir Göregen erarbeitet hatte - ein interkultureller Brückenschlag, der von Bach bis hin zu kurdischen Tänzen reichte und den Musiker*innen sichtlich Spaß machte.

Trotz erhöhter organisatorischer Maßnahmen und unvorhersehbarer Umstände, wie der Wetterlage, die zur Absage einer Veranstaltung führte oder einem Einreise-Stopp eines Ensembles wegen Quarantänebestimmungen, sind die Ausrichter des Kultursommers - das Team Kultur der Region Hannover und die Stiftung Kulturregion Hannover - vollauf zufrieden mit dem Ablauf des Festivals.

»Es hat mich sehr glücklich gemacht, in die vielen strahlenden Augen und zufriedenen Gesichter zu schauen - und das umfasste Gäste, Musiker*innen und Veranstalter*innen gleichermaßen«, so Organisatorin Sandra van de Loo vom Team Kultur im Rückblick auf das Festival.

Auf einer Open-Air-Bühne sitzt ein Pianist, ein anderer Mann hält ein Mikro und deutet auf den Pianisten, Zuschauer sitzen auf Klappstühlen © Ines Schiermann© Ines Schiermann
Von der Bühne auf die beiden Musiker geblickt und dann ins Publikum © Ines Schiermann© Ines Schiermann