Hochsitz in der Fußgängerzone

Kulturfiliale Hannover erhält den Kulturpreis »pro visio«

Sechs Tage verbrachte der Schauspieler Philippe Goos im Herbst 2009 auf einem Hochsitz in der Fußgängerzone Hannover. Das Theaterensemble Kulturfiliale griff damit das Schicksal des Mannes auf, der sich auf einem Hochsitz im Solling zu Tode hungerte. »Da ist nichts leer, alles voll Gewimmels. Autopsie einer Auslöschung« übertitelte die Kulturfiliale ihre viel beachtete Dauerinstallation. Sie lud dazu ein, den Schauspieler in seiner Rolle zu besuchen und mit ihm zu sprechen. Auf Waldbänken kamen die Menschen ins Gespräch miteinander, eine mit Baumrinde ausgelegte Kapelle diente als Ort der Stille. Die mutige Inszenierung bewegte die Öffentlichkeit und die Medien auf besondere Weise.

Realisiert wurde das Projekt mithilfe des schauspielhannover, der Stiftung Kulturregion Hannover und des Kulturbüros der Landeshauptstadt Hannover.

Nun ist das Projekt retrospektiv mit dem Kulturpreis »pro visio« der Stiftung Kulturregion Hannover ausgezeichnet worden. Die Jury aus Kultursachverständigen hob hervor, dass die letzten Tage eines am Leben Gescheiterten nicht nur aufgeführt, sondern auf bewegende Art und Weise für alle miterlebbar gemacht wurden. 

Die Stiftung vergibt den Preis seit 2001 jährlich an kulturelle Projekte, die sich innovativ, mutig und überzeugend dem Mainstream entgegenstellen. Der Preis ist mit 7.777 Euro dotiert.